Januar, Februar, März, April

 

Januar 2018

 

„Salve Regina“

Die Marienverehrung hatte bei den Zisterziensern eine hohe Bedeutung. Fast jedes Kloster führte Maria in seinem Namen und war ihrem Schutz unterstellt. So auch „St. Maria ad Portam“.

Zahlreiche Legenden und Mariendarstellungen gibt es in der Pforte. Die Bildnisse sind nicht alle von gleichgroßer idealer Schönheit, meint Corssen, manche  sehe in den Abbildungen viel besser aus als im Original. Auch im Conventsiegel aus dem 13. Jahrhundert ist Maria mit Kind zu sehen.

Eine Mariendarstellung hat es mir besonders angetan – ich meine die unbekannte Madonna mitdem Jesuskind über dem Portal der Evangelistenkapelle. Ich würde Corssen zustimmen, schön – in unserem heutigen Sinne – ist sie nicht. Der Bildhauer scheint sich zu wenig Zeit für die Gesichtszüge genommen und sich stattdessen auf den Faltenwurf des Gewandes konzentriert zu haben.

Mehr Aufmerksamkeit findet beim Betrachter das Jesuskind. Seine Unterarme fehlen. Sie sind ihm abgeschlagen worden – wann und warum das geschah, wissen wir nicht und trösten uns mit einer Legende.

Das Portal habe ich schon mehrere Male und auch zu den verschiedenen Jahreszeiten fotografiert; die Aufnahmen erschienen mir aber für ein monatliches Kalenderblatt nicht geeignet.

Die aktuelle Aufnahme für das Kalenderblatt verdanke ich einem Zufall:Es war am 17. November 2016, als ich gegen Mittag den Gang entlangkam und die Tür zur Evangelistenkapelle offenfand. Mein Blick fiel durch die Vierung auf die steinerne Treppe, die zur Trinitatiskapelle führt. Dieser Anblick machte die Aufnahme interessant. Ich öffnete auch den zweiten Türflügel, um eine ungehinderte Sicht auf das Innere der Kirche zu haben.

Eine Kalenderfreundin zeigte mir eine Fotografie von dieser Treppe aus den zwanziger Jahren. Auf dem unteren Treppensockel stand eine Doppelmadonna, die aus dem 12. Jahrhundert stammte und stattliche 98 cm groß war. Doch wo ist sie geblieben? Verschwunden ist auch der Rosenstrauch, der in früheren Jahren den Eingang umrankte. Er gab dem Portal eine besondere Wirkung.

 

Februar 2018

 

Pforta – noch immer voller Geheimnisse?

„Pforta birgt in seinem Boden und in seinen Mauern noch immer manche Geheimnisse …“, meinte Robert Pahncke, der allseits geschätzte Pforta-Kenner.

An seine Aussage muss ich denken, wenn ich in der Anlage unterwegs bin und auf Baulichkeiten stoße, die irgendwie atypisch sind.

Pforta war in seiner langen und wechselvollen Geschichte ununterbrochen bewohnt und genutzt. Während andere mittelalterliche Klöster längst verfallen sind und als fotogene Ruinen in die Landschaft ragen, leben und lernen hier Menschen seit Jahrhunderten – zunächst waren es die Mönche, danach die Schüler – und sie sorgten dafür, dass die Bauten ihre Lebendigkeit behielten.

Kritisch wurde die Situation für die historischen Bauten, als von politischer Seite kein Interesse mehr an der ehemaligen Klosteranlage bestand und diese dem Verfall preisgegeben waren.

Ich bin erschüttert, wenn ich mir meine Aufnahmen ansehe, die ich gleich nach der Wende gemacht habe. Wer weiß, wie lange das eine oder andere Gebäude noch dem Verfall getrotzt hätte? Umso beeindruckender ist, wie sich Pforta heute präsentiert.

Und obwohl Pforta sichtbar verschönt wurde, sind gewissen Geheimnisse und Rätsel geblieben.  Historiker und Pfortenser suchen weiterhin nach Aufklärung. Der Kapitelsaal, durch Zufall bei Renovierungsarbeiten entdeckt, ist inzwischen hergerichtet. Der Durchgang im östlichen Teil der Klausur wirft noch immer Fragen auf.

Noch weiß man nicht, wozu er zur Klosterzeit diente.

Noch mehr beschäftigt Pfortas Bauexperten die Westfront des alten Oratoriums. Eine quadratische Vorhalle soll vor der Kirche gestanden haben. Über ihre Funktion weiß man eigentlich nichts. Man geht davon aus, dass die Konversen sie für ihren Verkehr mit der Außenwelt nutzten.

Heute steht hier die Mauritiuskapelle. Westlich der Vorhalle wurden Reste eines quadratischen Atriums nachgewiesen.

Welche Bedeutung die wuchtigen Mauerbögen auf dem Foto hatten, konnte ich nicht klären. Auch die kunstvoll gestalteten Bogenfenster darüber geben uns Rätsel auf. Mir gefiel dieser rätselbehaftete Bauteil an der Klosterkirche mit dem Efeu, das bereits eines der drei Bogenfenster und eine Seitentür überwuchert hat. Unterstreicht es doch den geheimnisbergenden Charakter.

Und noch ein Hinweis: Der nördliche Eingang zur Kirche diente offensichtlich einer optischen Verlängerung des Seitenschiffs. Dieser ist kein offizieller Zugang. Mit dem eigenartigen Anbau wollte man offensichtlich eine Gleichmäßigkeit der Ansicht erreichen.

Wie Sie sehen, gibt es in der Pforte noch immer ungeklärte bauliche Rätsel … und wer weiß, um Robert Pahncke nochmals zu zitieren, „was noch in seinem Boden schlummert“.

 

März 2018

 

Der Hohe Chor

Die ursprüngliche Klosterkirche war eine verhältnismäßig kleine, bescheidene, flach gedeckte romanische Basilika, die ausschließlich von den Mönchen genutzt wurde und nur von der Klausur aus zugänglich war.

Mit dem Wohlstand und der Ausdehnung des Klosters begannen 1251 die gotischen Umbauten, die sich bis in das 14. Jahrhundert hinzogen und eine „gewaltige Vergrößerung“ bewirkten und das ursprüngliches Aussehen gänzlich veränderten.

Durch die Verlängerung nach Osten entstand das „schönste Stück der neuen Kirche“ (so Robert Pahncke) – der Hochchor mit den sieben hohen Spitzbogen- und zwei Rosenfenstern, die dem Raum eine großartige Lichtfülle verleihen.

Ich habe das Foto am 20. August 2016 in den Abendstunden aufgenommen und es für den Kalender ausgewählt, weil meines Erachtens diese Ansicht auf die Kirche üblicherweise weniger Beachtung findet. Dabei ist sie baulich sehr interessant.

Das Gestein wirkt nur auf den ersten Blick wuchtig, lässt man es auf sich wirken, erscheint es dank der Fenster und der abgesetzten Anbauten weniger mächtig. Hinter den beiden Fenstern verbergen sich zwei Kapellen mit Tonnengewölbe. Und darüber befindet sich hinter den beiden Spitzfenstern die Margaretenkapelle, die nur über den inneren Umgang über den Gürtelsims erreichbar ist.

Vorgebaut ist die Evangelistenkapelle mit dem kunstvoll gestalteten Spitzfenster.

Beeindruckend sind die hohen Fenster, die vermutlich dem Naumburger Dom nachempfunden sind. Sie geben dem Ostchor die Helligkeit und die außergewöhnliche Wirkung.

 

April 2018

 

Pfortas Fahnen

Wenn vor dem Schulhaus die Flaggen gehisst sind, weiß jeder, dass das Schulfest oder ein wichtiges Ereignis bevorsteht. Fahnen verleihen jeder Veranstaltung und jedem Gebäude ein hoheitliches Gepräge.

Es versteht sich, dass die Staatsflagge der Bundesrepublik Deutschland gehisst wird. Diese hat eine lange Tradition und ist mehr als ein Stück bedruckter Stoff.

Jeder kennt die Farben Schwarz-Rot-Gold. Sowohl die Farben als auch die Fahne sind in unserem Grundgesetz (Art. 22) verankert und somit vor Verunglimpfungen geschützt.

Das Land Sachsen-Anhalt hat mehrere Flaggen, eine Landesflagge und eine Landesdienstflagge mit Hoheitszeichen. Die Farbe ist gelb-schwarz. Die Verwendung der Landesdienstflagge mit dem Landeswappen unterliegt Einschränkungen und darf nur von Hoheitsträgern genutzt werden.

Die Landesschule darf sie nutzen – und tut dies auch. Auf dem Foto ist die Landesdienstflagge leider kaum zu erkennen.

Und dann gibt es noch eine dritte Fahne, die zu wichtigen Anlässen gehisst wird – es ist die Fahne in Schwarz-Weiß-Violett. Sie hat ihre ganz eigene Bedeutung. Sie symbolisiert die kirchliche Vergangenheit Pfortas und gilt heute offiziell als Schulflagge.

Fahnen hatten zu allen Zeiten eine besondere Bedeutung und wurden nicht selten politisch missbraucht. Die Fahnenappelle am Montagmorgen während meiner Schulzeit sind mir noch gut in Erinnerung. Sie waren eine Gelegenheit für Abstrafungen und auch für Belobigungen. Wir hissten damals auch eine schwarz-rot-goldene Fahne, die allerdings als offizielle DDR-Fahne galt. Um sich von der Fahne der Bundesrepublik zu unterscheiden, trug ab 1. Oktober 1959 die DDR-Flagge das Staatswappen Hammer und Sichel, umgeben von einem Ährenkranz.

Die blaue FDJ-Fahne mit der aufgehenden Sonne gehörte ebenfalls zu jedem Appell. Bei Demonstrationen, an denen im Regelfall die gesamte Schülerschaft teilnehmen musste und die meist nach Naumburg führten, wurde eine Fahne vorangetragen.

Zur Napola-Zeit soll geradezu ein Fahnenkult geherrscht haben. Es genügte nicht, dass die Nazi-Fahne auf dem Hauptappellplatz gehisst wurde, nein, sie musste bei jedem Ausmarsch vorangetragen und mit dem Lied „Uns’re Fahne flattert uns voran“ besungen werden.

Vergessen wir die Zeiten, als Fahnenappelle zu Machtdemonstrationen missbraucht wurden. Respektieren wir unsere Fahnen als Symbole einer friedlichen Zeit.

Fortsetzung folgt im Mai.